Infrastruktur

Neuseeland gehört zu den Ländern mit den meisten Flughäfen pro Kopf. Im Jahr 2002 gab es im Land 113 asphaltierte und nicht asphaltierte Flugplätze. Der Flughafen Auckland ist mit über 11 Millionen Passagieren pro Jahr bei weitem der größte Flughafen des Landes. Darauf folgen die internationalen Flughäfen von Christchurch und Wellington, die je etwa vier Millionen Passagiere pro Jahr abfertigen. Die 1940 gegründete Air New Zealand ist mit Abstand die wichtigste Fluggesellschaft des Landes. Pacific Blue, eine Tochtergesellschaft von Virgin Blue, hat sich auf billige Verbindungen zwischen Neuseeland und Australien spezialisiert.

Die Ära des neuseeländischen Straßenbaus begann während der Neuseelandkriege mit der Great South Road südlich von Auckland im Jahr 1861. Inzwischen stellt der Straßenverkehr das wichtigste Transportmedium des Landes dar. Er genießt eine eindeutig höhere Priorität als der Schienenverkehr. Das Rückgrat des Straßennetzes bilden die State Highways, durch die das Land zu großen Teilen erschlossen wird. Abgesehen von etwa 150 km an Autobahnen, die sich nahe der drei großen Städte Auckland, Wellington und Christchurch befinden, bestehen selbst die wichtigen Überlandstraßen nicht aus mehr als zwei Fahrspuren. Die State Highways sind nicht höhenfrei und führen durch Ortschaften, wenig befahrene Teilstücke der Highways sind sogar nur Schotterstraßen, und insbesondere über Brücken finden sich immer wieder einspurige Streckenabschnitte. Das gesamte Netzwerk umfasst 92.200 km, von denen etwa 54.000 asphaltiert sind. In Neuseeland gilt Linksverkehr mit Rechtsvorrang. Das bedeutet, als Linksabbieger muss man dem Rechtsabbieger von der gegenüberliegenden Fahrbahn Vorfahrt gewähren. Innerorts gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h, außerorts üblicherweise 100 km/h.

Die Schifffahrt in Neuseeland ist sowohl für den Personentransport als auch für den Gütertransport wichtig. Die bedeutendste Schifffahrtslinie für den Personentransport ist der Interislander, eine Fährverbindung, die die Nordinsel (Wellington) mit der Südinsel (Picton) verbindet und pro Jahr etwa eine Million Menschen transportiert. Sie überquert auf ihrer drei Stunden langen Fahrt die nur 35 km breite Cookstraße (diese Zeit wird benötigt, da das Schiff nicht nur die Cookstraße, sondern auch den Tory Channel und die Marlborough Sounds durchqueren muss, insgesamt etwa 70 km). In Neuseeland existieren 1.609 km an Binnenschifffahrtswegen, die aber in der heutigen Zeit keine Bedeutung mehr haben.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert wurde im großen Stil damit begonnen, ein ausgedehntes Eisenbahnnetz zu errichten. Dabei wurden neben den drei Hauptstrecken (auf der Nordinsel: North Island Main Trunk und East Coast Main Trunk; auf der Südinsel: South Island Main Trunk) zahllose private sowie öffentliche Nebenbahnen gebaut, die vom New Zealand Railways Department verwaltet wurden. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden in vielen größeren Städten des Landes unzählige Kilometer an Straßenbahnen gebaut, von denen nur noch die in Christchurch als Touristenattraktion besteht.

Bis in die 1950er-Jahre waren zumeist Dampflokomotiven im Einsatz, außerdem bestanden einige elektrifizierte Abschnitte. Sukzessive wurden Nebenbahnen geschlossen, zweispurige Linien zu einer Spur zurückgebaut, vorhandene Elektrifizierungen wieder entfernt und Passagierverbindungen eingestellt. Von den 3.900 Streckenkilometern sind seit der als „Think Big“ bezeichneten Wirtschaftspolitik in den 1980er-Jahren etwa 500 km entlang des North Island Main Trunk elektrifiziert.

Nachdem die staatliche neuseeländische Eisenbahn 1993 für 400 Millionen NZ$ (202 Millionen EUR) verkauft war, investierte die Betreiberfirma Tranz Rail immer weniger in den Erhalt des Eisenbahnnetzes und verlagerte nach und nach den Transport von Gütern von der Schiene auf die Straße. Außerdem wurden zwischen 1995 und 2004 zahlreiche Passagierverbindungen aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Als die Firma vor dem finanziellen Ruin stand, übernahm das australische Infrastrukturunternehmen Toll Holdings den Eisenbahnbetrieb, der seitdem unter dem Namen Toll Rail zusammengefasst ist, während der neuseeländische Staat das gesamte Streckennetz im Jahr 2004 für den symbolischen Preis von einem Neuseeland-Dollar zurückkaufte und unter die Verwaltung des staatlichen Unternehmens Ontrack stellte. Weil sich die neuseeländische Regierung auf der einen und Toll Rail auf der anderen Seite nicht auf Nutzungsgebühren für die verstaatlichten Schienen einigen konnte und der Staat Jahr für Jahr Millionen an Neuseeland-Dollar für den Unterhalt des Netzes zuzahlen musste, entschied sich die Regierung 2008 dazu, den Bahnbetrieb von Toll Rail für 665 Millionen NZ$ (336 Millionen EUR) zum 1. Juli zurückzukaufen.

Trotz dieser Veränderungen bestehen 2008 nur noch vier Personenfernverkehrsverbindungen, die hauptsächlich touristische Bedeutung besitzen und unter dem Namen Tranz Scenic firmieren: der Overlander fährt von Auckland nach Wellington, der TranzCoastal von Picton nach Christchurch und der TranzAlpine überquert die Neuseeländischen Alpen von Christchurch nach Greymouth. Die als Capital Connection bezeichnete Verbindung von Palmerston North nach Wellington ist vornehmlich für Pendler gedacht. Daneben existieren noch einige weitere Betreiber, wie zum Beispiel die Taieri Gorge Railway im Gebiet um Dunedin, die sich auf Touristenausflüge in historischen Waggons oder auf historischen Strecken spezialisiert haben. Die Bedeutung des Schienenverkehrs für den Gütertransport nimmt in den letzten Jahren wieder zu. Fast das gesamte Netz wurde in der Kapspur, also einer Breite von 1067 mm erstellt.

In den beiden größten Ballungsräumen, Auckland und Wellington, existieren S-Bahn-ähnliche Nahverkehrsnetze, wobei das System in Wellington besser ausgebaut und als einzige Vorortbahn des Landes elektrifiziert ist. Signifikante Verbesserungen für Auckland sind aber geplant. So soll diese bis 2013 vollständig elektrifiziert sein, der unter dem Stadtzentrum verlaufende CBD Loop Tunnel in mittelfristige Planungen einbezogen werden und der Flughafen besser an das System angebunden werden (Quelle: wikipedia).