Die Geburt der Nation

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts führte die ungleichmäßige Verteilung von Schusswaffen, die die Māori durch Tauschgeschäfte von den Europäern bekamen, zu den von 1829 bis 1835 gipfelnden Musketenkriegen (englisch: Musket Wars), bei denen sich zahlreiche Stämme untereinander bekämpften und − Schätzungen der Regierung zufolge − etwa 20.000 Menschen zu Tode kamen. Durch die Europäer eingeschleppte Krankheiten, gegen die die Māori nicht resistent waren, dezimierten ihre Anzahl nachhaltig. In den 1820er-Jahren schließlich kam es außerdem noch zu den ersten bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Māori und Weißen. Im Jahr 1832 schickte die britische Regierung den Gesandten James Busby nach Neuseeland und ernannten ihn zum Residenten. Er sollte den britischen Handel überwachen und kontrollieren und zwischen streitenden Weißen und Māori eine Vermittlerrolle einnehmen, war jedoch bei der Durchsetzung seiner Ziele weitgehend auf sich gestellt. Nachdem ein neuseeländisches Handelsschiff wegen fehlenden Herkunftssymbols im Hafen von Sydney beschlagnahmt worden war, aber nicht unter britischer Flagge fahren durfte, da Neuseeland noch nicht zu Großbritannien gehörte, wählten am 20. März 1834 mehrere Dutzend Māori-Anführer unter seiner Aufsicht eine offizielle Flagge aus, die später offizielle Flagge der United Tribes of New Zealand (deutsch: Vereinigte Stämme Neuseelands) wurde. Aufgrund der in Neuseeland herrschenden Gesetzlosigkeit und der damit verbundenen Probleme sowie der Angst, dass Frankreich an der Banks-Halbinsel eine eigene Kolonie gründen könnte, setzte Busby einen Vertrag auf, der am 28. Oktober 1835 von über 30 Māori-Anführern unterzeichnet wurde und als Unabhängigkeitserklärung (englisch: Declaration of the Independence of New Zealand) sowie Gründung der „Vereinigten Stämme“ in die Geschichte einging.

Die Souveränität des Landes hatte jedoch schon wenige Jahre später, genauer gesagt 1840, ein Ende. Zu diesem Zeitpunkt nämlich gab es in Frankreich tatsächlich konkrete Bestrebungen, auf der Südinsel des Landes eine Kolonie zu gründen. Die britische Krone wollte dies unter allen Umständen verhindern. Da man den neuen Staat der „Vereinigten Stämme“ als zu schwach ansah, seine Interessen zu wahren, wurde das Land im Januar 1840 offiziell vom Britischen Weltreich annektiert. Um dieses Vorgehen für rechtmäßig erklären zu können, beeilte sich der damalige Generalgouverneur des Landes, William Hobson, zahlreiche Māori-Häuptlinge nahe dem Ort Waitangi zu versammeln, die am 6. Februar des gleichen Jahres den Vertrag von Waitangi unterzeichneten. Dieses Dokument gilt als „Geburtsstunde“ des modernen Neuseelands. Der Vertrag selbst band Neuseeland an die britische Krone. Auf der einen Seite gaben die Māori ihre Souveränität auf, auf der anderen Seite bekamen sie aber Bürgerrechte zugesichert. Außerdem durften sie alle Ländereien behalten, die sie vor der Unterzeichnung des Vertrages besaßen. 1975 wurde das Waitangi-Tribunal eingesetzt, um Unstimmigkeiten und Verletzungen des Vertrages wieder gutzumachen.

Auf der Südinsel Neuseelands scheiterte die Kolonialisierung durch Frankreich nur knapp. 1840 war Jean Langlois zur Banks Peninsula aufgebrochen, um diese für Frankreich in Besitz zu nehmen. Als der Plan bekannt wurde, sandten die Briten ihrerseits eine Expedition aus, um die Halbinsel für die Krone zu sichern. Langlois erreichte die Gewässer vor dem heutigen Akaroa zuerst, konnte wegen widriger Winde aber nicht an Land gehen. Als das Wetter die Landung zuließ, musste Langlois erkennen, dass ihm die Briten zuvor gekommen waren. Die französischen Siedler durften sich gleichwohl in Akaroa niederlassen (was noch heute an den französischen Straßennamen sichtbar ist) (Quelle: wikipedia).